Wenn Stellensuchende mit ihrer Bewerbung scheitern, lassen sie die meisten Bewerbungsratgeber wissen, dass die Gründe dafür ausschließlich bei ihnen selbst zu suchen sind. Anders gesagt, der Bewerber ist stets selbst an seinem Misserfolg schuld. Damit hat er es in der Hand, beim nächsten Mal Fehler zu vermeiden.
Diese Betrachtungsweise ist falsch. Bestimmte Umstände, die dem Stellensuchenden verborgen bleiben und die er demzufolge nicht beeinflussen kann, führen immer wieder dazu, dass es nicht zu einer Einstellung im beworbenen Unternehmen kommt.
Es fängt mit dem Geschlecht an. Zwar sind die Arbeitgeber seit geraumer Zeit dazu verpflichtet, Stellenanzeigen in den Medien geschlechtsneutral abzufassen. Dies ergibt sich aus § 611a BGB. Die meisten Firmen befolgen diese Vorschrift auch. Dies bedeutet aber keineswegs, dass Unternehmen unterschiedslos männliche und weibliche Bewerber gleichermaßen zum Bewerberinterview einladen bzw. sich überhaupt mit ihren Unterlagen auseinandersetzen. Werden in einer Firma beispielsweise vakante Führungspositionen grundsätzlich nur mit männlichen Bewerbern besetzt, haben Bewerberinnen dort keine Chance. Ihnen wird freundlich und ohne Gründe zu nennen abgesagt. Die echten Gründe, weshalb Frauen dort als Führungskräfte nicht eingestellt werden, mögen darin zu suchen sein, dass der Firmeninhaber ein konservativer Mittelständler mit einem verschrobenen Weltbild ist, dass man Schwangerschaften befürchtet oder was auch immer: Sie bleiben der Bewerberin unbekannt und können von ihr deshalb nicht wirksam angegangen werden.
Ein weiterer Faktor ist das Lebensalter. In den letzten fünfzehn Jahren ist die Anzahl der Mitarbeiter über Fünfzig in Deutschland kontinuierlich gesunken. Im Gegensatz zu anderen Ländern dürfen Stellenangebote hier Altersbegrenzungen aufweisen. Kein Gesetz verbietet es einem deutschen Arbeitgeber, beispielsweise nur Bewerber unter Vierzig zu berücksichtigen. Mittlerweile gibt es Branchen und Firmen, die nur noch Mitarbeiter bis maximal Fünfundzwanzig einstellen. Hierzu zählen unter anderem Außendienstjobs in den Branchen Versicherungen, Finanzierungen, ferner Callcenter und andere Dienstleistungszweige. Ist der Bewerber aus Sicht des Unternehmens zu alt, bekommt er seine Unterlagen zurück. Vielleicht nicht einmal das. Denn immer mehr Firmen gehen dazu über, Unterlagen nicht zurückzuschicken, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Um sich hier Misserfolge zu ersparen, sollte der Leser einer Stellenanzeige darauf achten, ob das Unternehmen eine Altersgrenze eindeutig oder konkludent genannt hat. Eine Formulierung wie „...Sie sollten nach einem abgeschlossenen betriebswirtschaftlichen Studium die ersten Erfahrungen in ... gemacht haben...“ zeigt klar, dass hier ein Jobstarter unter Dreißig gesucht wird. Sich hier als Vierzigjähriger zu bewerben ist zwecklos.
Ein weiteres Problem ist die richtige Fachkompetenz, die der Bewerber mitbringen soll. Diese Feststellung mag zunächst etwas überraschend klingen; wer als Bewerber aber jene magische Achtzig-Prozent-Marke nicht erreicht bzw. überschreitet, landet nicht im Bewerberpool. Selbst derjenige Kandidat, der seinen Status Quo in Bezug auf seine Fachkompetenz ständig zu verbessern sucht, weiß bei einer Bewerbung nie, wo genau die Mindestgrenze nach den Vorstellungen des Unternehmens verläuft. Stellenangebote in den Printmedien und im Internet sind regelmäßig viel zu grobrastig formuliert, was die Anforderungen an die Position betrifft. Eine Sekretärin ist eben nicht immer gleich Sekretärin und das gilt gleichermaßen für den Diplom-Ingenieur wie den kaufmännischen Sachbearbeiter.
Zum Umfang der Sozialkompetenz gilt das eben Gesagte analog. Auch hier kann der Bewerber nie ganz sicher sein, was das Unternehmen genau wünscht.
Hinzu tritt das Gesetz der großen Zahl. Wenn sich auf eine Vakanz 500 Bewerber melden, sinkt die Erfolgschance jedes Einzelnen beträchtlich. Und jeder Kandidat versucht, sich mit seiner Bewerbung von den Konkurrenten abzuheben. In der Regel hat die Bewerbungsmappe dann nur wenige Sekunden Zeit den Entscheider zu überzeugen. Ohne ansprechende Bewerbungsunterlagen hat der Bewerber von Anfang an kaum eine Chance. Legen Sie deshalb größten Wert auf die Qualität Ihrer Mappe. Billige Schnellhefter reichen nicht mehr aus. Eine Auswahl hochwertiger Bewerbungsmappen finden Sie hier im Bewerbungsshop.
Ein weiterer Umstand, der vom Stellensuchenden nicht ins Kalkül gezogen werden kann, ist die fachliche Unfähigkeit der Personaler und Chefs in den Betrieben bzw. der freien Personalrekrutierer. In Deutschland hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass es mit der Personalsuche im Grunde genommen so ist wie mit dem Kinderkriegen: Das kann jeder, dazu braucht man keine Ausbildung. Besonders Freiberufler und Mittelständler gehen davon aus, dass der Nasenfaktor und die Aus-dem-Bauch-heraus-Entscheidung immer noch die besten Ergebnisse bringen. Aber auch in anderen Branchen wird ähnlich gedacht. Das sind dann Betriebe, in denen keine Stabsstellen für Personal existieren und die Personalarbeit neben dem Tagesgeschäft läuft.
Zuletzt: Wenn ein Unternehmen, namentlich ein bekanntes mit entsprechendem Image, Stellenanzeigen schaltet, muss sich dahinter keineswegs die Absicht verbergen, tatsächlich seine Belegschaft aufstocken zu wollen. Die wahren Gründe können ganz woanders liegen. Geht es diesem Betrieb gegenwärtig nicht besonders gut, vielleicht sogar richtig schlecht, kann es aus Gründen des Marktes angezeigt sein, der Konkurrenz das Gegenteil vorzugaukeln. Denn eine Firma, die zusätzliche Arbeitskräfte sucht, muss wohl volle Auftragsbücher haben. Der Bewerber, der hier eine Absage erhält, wurde nur benutzt und wird diesen Grund kaum jemals erfahren.