An dieser Stelle sollen jene Fragen beantwortet werden, die für Sie als Bewerber im Umgang mit dem Internet wichtig sind.
1. Bietet das Internet den Bewerbern für alle Sparten und Berufszweige Kontaktchancen?
Mittlerweile ja. Die Zeiten, in denen sich im Netz überwiegend Stellenanzeigen für EDV- und Bürojobs und Außendienstmitarbeiter finden ließen, sind vorbei. Immer mehr Unternehmen, auch des Mittelstandes nehmen die Möglichkeit wahr, ihr Personal über eigene Websites bzw. sogenannte Jobbörsen zu rekrutieren. Dies hat bereits zu einem bedeutenden Rückgang der Stellenanzeigen in den Printmedien geführt. Schon deshalb ist es für Sie als Bewerber wichtig, beide Medien zu nutzen. Lediglich sogenannte McJobs, also schlechtbezahlte und gering qualifizierte Stellen werden überwiegend in den Zeitungen angeboten. Festzuhalten bleibt aber auch, dass die Handwerksberufe nach wie vor im Netz unterrepräsentiert sind.
2. Wie lassen sich die richtigen Internetseiten aufspüren?
Hier gilt, was für die Recherchearbeit im Netz immer gilt: Verwenden Sie die richtige Suchstrategie und die richtigen Schlagwörter. Bei den Suchsystemen im Internet ist zwischen den Katalogen (directories, subject trees) und den Suchmaschinen (search engines, web wanderer) zu unterscheiden. Kataloge verfügen über vergleichsweise wenig Einträge. Bei Suchmaschinen sieht das anders aus. Diese durchforsten mit Hilfe sogenannter Agentenprogramme ständig das Internet nach bestimmten Schlagwörtern und speichern diese zusammen mit der URL (Uniform Ressource Locator, also der Adresse der Webseite) in der Datenbank. Auf diese Weise entwickelt sich eine Liste mit Adressierungsinformationen, der sogenannte Index. Eine sehr bekannte Suchmaschine ist www.Google.de. Welche Möglichkeiten der Suchverfeinerung Ihnen die einzelnen Suchmaschinen und Kataloge bieten, können Sie vor Ort feststellen. Sie können auch sogenannte Metasuchmaschinen für Ihre Suche einsetzen. Eine Metasuchmaschine ist eine Maschine, in die Sie Ihr Schlagwort eintippen, mit dessen Hilfe anschließend in einer bestimmten Anzahl anderer Suchmaschinen nach entsprechenden URL`s gesucht wird. Eine bekannte Metasuchmaschine ist www.MetaGer.de.
Für Ihre Sucharbeit ist auch die Verwendung der richtigen Suchbegriffe wichtig. Sie können sich an dieser Liste hier orientieren:
- Job
- Jobvermittlung
- Jobvermittler
- Jobsuche
- Jobbörse
- Jobs im Ausland
- Arbeit
- Arbeitsplatz
- Arbeitsstelle
- Stellenangebote
- Führungsposition
- Praktikum
- Praktika
- Personalberater
- Vakanz
- Freie Mitarbeit
- Free Lancer
- Lehrstellen
- Ferienjobs
- Diplomarbeiten
- Promotionsstellen
- Europajobs
Bekannte Jobbörsen sind www.Jobpilot.de und www.stepstone.de.
Beachten Sie auch noch die folgenden Suchtipps. Schreiben Sie Ihre Suchbegriffe richtig, weil Sie sonst eine Fehlermeldung bekommen werden. Benutzen Sie auch Synonyme, grammatikalische Endungen (Stellenangebot, aber auch Stellenangebote) und Abkürzungen. Die von Ihnen beauftragte Suchmaschine sucht nämlich nur nach Zeichen nicht nach Sinndeutung. Verwenden Sie die Operatoren „und, oder, nicht“. So schließen Sie verwandte Suchbegriffe ein oder aus. Wenn Sie nur deutschsprachige Fundstellen haben wollen, klicken Sie das entsprechende Kästchen an. Google z. B. gibt Ihnen diese Möglichkeit. Versehen Sie interessante Websites mit einem Lesezeichen (Bookmarks). Sowohl Internet Explorer als auch Netscape Browser lassen das zu. Auf diese Weise sparen Sie sich eine zeitraubende neue Suche. Sie können Ihre Lesezeichen auch auf einzelne Seiten einer Website ablegen. Das spart noch mal Zeit.
3. Woran erkennen Sie gut gepflegte und informative Websites?
Schauen Sie auf die Aktualität und die Anzahl der Stellenangebote sowie die vertretenen Jobarten. Es liegt auf der Hand, dass eine branchenspezifische Jobbörse weniger Einträge enthält als eine mit allgemein gehaltenem Angebot. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie unproblematisch erkennen können, wann eine Stellenanzeige aufgenommen worden ist. So ersparen Sie sich die Mühe einer Bewerbung auf eine unter Umständen längst besetzte Vakanz. Ein Stellenangebot ist nach spätestens vier Wochen mit Bewerbungen überflutet. Klar ist, dass Sie mit Ihrer eigenen Bewerbung jetzt nur noch geringe Chancen haben. Allein aus organisatorischen Gründen müssen die Unternehmen irgendwann einmal „den Sack zumachen“.
4. Sollten Sie sich per Email bei einem Unternehmen bewerben?
Es kommt darauf an. Grundsätzlich gilt: Verwenden Sie in jedem Fall die Kontaktmöglichkeiten, die das Unternehmen in seiner Stellenanzeige, egal ob im Netz oder den Printmedien, vorgibt. Nur so ist sichergestellt, dass Ihre Unterlagen da landen, wo sie hingehören. Beachten Sie dabei die „Hierarchie der Kontaktmöglichkeiten“, wenn Ihnen das Unternehmen mehrere Möglichkeiten der Kontaktaufnahme einräumt. Diese heißt Emailbewerbung vor postalischer Bewerbung, postalische Bewerbung vor Bewerbung per Fax; mündliche Anfragen immer nur zusätzlich. Mündliche Bewerbungen führen nie zum Erfolg. Sie können per Telefonat Ihre Bewerbung nur ankündigen.
Im Einzelnen:
Wenn ein Unternehmen Ihnen die Möglichkeit einer telefonischen Anfrage generell oder sogar bei einem namentlich genannten Mitarbeiter gibt, nutzen Sie diese Möglichkeit. Sie erhalten weitere Informationen zur Vakanz und einen ersten Eindruck von dem Unternehmen. Wurde die Anzeige von einem Personalberater im Auftrage eines Unternehmens geschaltet, erwartet dieser sogar Ihren Anruf. Ganz besonders dann, wenn eine Führungsposition besetzt werden soll.
Wenn das Unternehmen eine schriftliche Vollbewerbung wünscht, obwohl die Anzeige im Netz geschaltet ist, folgen Sie diesem Wunsch.
Ist das Unternehmen sogar mit einer Bewerbung per Fax zufrieden, sollten Sie Ihre Kurzbewerbung per Fax erledigen und eine Vollbewerbung per Post hinterhersenden. Faxausdrucke wirken bekanntlich nicht sonderlich attraktiv. Außerdem werden Fotos unansehnlich und kleine Druckschrift eher unleserlich dargestellt.
Legt das Unternehmen Wert auf Ihre Bewerbung per Email, müssen Sie dem folgen. Besonders EDV-Unternehmen gehen davon aus, dass Sie eine Bewerbung über das Netz zuwege bringen. Überhaupt will ein solches Unternehmen erkennbar Ihre „Medienkompetenz“ testen. A propo Medienkompetenz: Dies ist auch so ein Thema in Deutschland. Es gibt immer noch und allen Ernstes Zeitgenossen, die sich rühmen, nur geringe oder keine Computer- und Internetkenntnisse aufzuweisen. Mein Rat: Folgen Sie nicht diesen schlechten Beispielen! Schaffen Sie sich eine umfassende Medienkompetenz. Wer künftig nicht in der Lage ist, mit einem Computer so umzugehen, wie mit seinem eigenen Kühlschrank zuhause, der hat schon verloren!
Wenn Sie sich per Email bewerben, müssen Sie sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden. Entweder das Unternehmen hat auf seinen Websites Formularseiten untergebracht, die Sie ausfüllen müssen. Oder es wünscht Ihre elektronische Bewerbung, die dem Vorbild aus Papier folgt. Also verfassen Sie ein Anschreiben und fügen die entsprechenden Zertifikate usw. als Anhang bei. Vergessen Sie Ihre postalische Anschrift und Ihre Telefonnummer nicht, auch wenn Sie sich gerade im Netz bewegen. Diese Vergesslichkeit kommt übrigens schneller vor als Sie glauben!
Ich habe in meiner Beratungspraxis Kandidaten erlebt, die sich per Email bei mir bewarben und erkennbar bewusst ihren Namen, ihre Anschrift und ihre Telefonnummer verschwiegen, aber erwarteten, von mir per Rück-Email detailliert über die Vakanz informiert zu werden. Diese Art von Geheimniskrämerei beantwortete ich durch Drücken der Löschtaste!
Zum Thema Dateiformat und Konvertierung ist zu sagen, dass Sie Ihre Dokumente in Word verfassen und eingescannte Unterlagen im JPG-Format anhängen sollten. Dann dürften sie beim Empfänger praktisch immer zu lesen sein. Sollten Sie aber Zweifel haben, rufen Sie vorher beim Unternehmen an und fragen, welches Dateiformat Ihre Unterlagen aufweisen sollen. Diese Frage wird man Ihnen garantiert nicht übelnehmen, denn das zeigt Ihre „Medienkompetenz“.
5. Lohnt es sich, eine eigene Stellensuchanzeige im Internet zu veröffentlichen?
In jedem Fall. Schon aus finanziellen Gründen. Abgesehen davon, dass die Anzeigenaufgabe beispielsweise in der Wochenendausgabe einer Zeitung sehr teuer geworden ist, hat Ihre Stellensuchanzeige dort auch nur einen „Strohfeuer-Effekt“. Sie erscheint bloß einmal. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie von dem richtigen Unternehmen zur Kenntnis genommen wird, ist eher gering. Sie werden in erster Linie unseriöse Angebote bekommen. Inserieren Sie dagegen im Netz, bleibt Ihre Anzeige wesentlich länger auf dem Markt. Vor allen Dingen wird sie von viel mehr Interessenten wahrgenommen. Das ist ein unschätzbarer Vorteil. Häufig bieten Ihnen Jobbörsen den kostenlosen Eintrag mehrerer anonymisierter Suchanzeigen an. Diese können Sie auch noch ständig aktualisieren. Außerdem übermittelt man Ihnen auch zusätzlich entsprechende Angebote an Ihre E-Mail-Adresse. Preiswerter geht’s eigentlich nicht mehr.
6. Was sollte die eigene Stellensuchanzeige im Netz beinhalten?
Fangen wir damit an, was die Anzeige nicht enthalten sollte, auch wenn sie anonym vom Seitenbetreiber aufgenommen wird. Ihr Vor- und Nachname, Ihre Adresse und Ihre Telefon- und Handynummer hat dort nichts verloren. Es gibt leider, im Klartext formuliert, zu viele „Spinner und Kranke“, die das Netz für dumme und teilweise gefährliche Spielchen benutzen. Sie werden hier kaum ein Opfer werden wollen. Ansonsten muss für ein interessiertes Unternehmen deutlich werden, über welche Ausbildung Sie verfügen, welche Berufskenntnisse Sie aufweisen und welche Kompetenzen Sie überhaupt mitbringen. Wichtig ist, ob Sie umzugsbereit sind bzw. mobil und auch Außendienst für Sie in Betracht kommt.
Ein wichtiger Tipp: Viele Jobbörsen ermöglichen es den Usern, ihre Angaben zur Person, zu den eigenen Kompetenzen und dem gewünschten Job in entsprechende Rubriken (Textformularfeld) auf den Seiten zu schreiben. Bevor Sie sich daran versuchen und dabei etwas Falsches oder Unvollständiges hineinformulieren, drucken Sie sich erst einmal die Seite aus und üben daran. Wenn Ihre Angaben stimmen, gehen Sie noch mal auf die entsprechende Seite und tippen Ihre Angaben ein. So sparen Sie Zeit, Geld und Nerven. Sorgen Sie in jedem Fall für eine anständige Headline, aus der hervorgeht, wer Sie sind und was Sie suchen. Füllsel wie: „Ich suche einen Job ...“ lassen Sie weg, denn deswegen sind Sie ja auf dieser Seite! Also besser: Diplom-Ingenieur (FH), Fachrichtung Informatik, 28, sucht Anstellung in der Forschungsabteilung eines Unternehmens der Elektronikbranche! Und verwenden Sie im Fortgang der Anzeige keine unklaren Abkürzungen oder halbe Sätze, weil sich der Leser sonst rasch von Ihrer Anzeige abwendet. Denken Sie daran: Ihre Angaben hier stützen sich auf Ihre zusammengetragenen Arbeitsergebnisse zu Ihrem Lebenslauf, wie ich sie bereits im Kapitel „Bewerbungsordner/-datei anlegen und pflegen/Visualisierung der eigenen Berufsbiographie“ beschrieben habe.
Wenn Sie einen Eintrag in eine Jobbörse vornehmen, wird man Ihnen dort eine Chiffrenummer zuteilen, über die Sie ein interessiertes Unternehmen kontakten kann. Falls nicht, müssen Sie eine persönliche Emailadresse angeben. Ich empfehle Ihnen, um nach außen weiterhin anonym zu bleiben, hier eine Phantasiebezeichnung für Ihre Emailadresse zu wählen und nicht den eigenen Vor- und Nachnamen zu verwenden. Sie können natürlich auch Ihre eigene Homepage konstruieren und dort Ihre Stellensuchanzeige veröffentlichen. Allerdings verspricht dieser Weg kaum Erfolg, denn welches Unternehmen lässt seine Personalmitarbeiter während der Dienstzeit auf privaten Homepage serven?