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Arbeitsuchende werden abgezockt

30.04.07 - „Was dem Einen die Eule, ist dem Anderen die Nachtigall“, so lautet ein altes Sprichwort aus dem Plattdeutschen (dessen der Autor nicht mächtig ist). Anders gewendet, vermeintlich clevere Geschäftemacher nutzen die gegenwärtige Wirtschaftslage dazu aus, sich die Taschen mit dem Geld derer zu füllen, die Arbeit suchen.
Nicht mehr neu, aber immer noch wirksam, ist diese Masche:
Unternehmen mit seriös klingenden Namen bieten per Zeitungsanzeige den Zuverdienst im Wege der Hausarbeit: Kugelschreiber zusammenstecken, Kartons kleben, Prospekte eintüten. Klar, dass so mancher Harz – Vierer oder Frührentner Interesse entfaltet. Warum auch nicht ...
Also wird das angebotene Erst – Info –Paket bestellt; kostet natürlich eine Kleinigkeit ... 10,00 bis 15,00 €, hat man schon mal über, auch für ein schmales Einkommen ist das noch erschwinglich ... und schließlich gibt es sogar noch eine Geld – Zurück – Garantie bei Nichtgefallen ...
Was dann ankommt, ernüchtert.
Ein paar billig aufgemachte Prospekte sind im Umschlag zu finden, manchmal auch eine DVD oder CD mit tollen Hinweisen zum weiteren Procedere ...
Auffällig ist, dass die Verdienstangebote auch hier wieder nur vage beschrieben werden. Wer Details erfahren möchte, müßte ... als ob es da um irgendwelche Betriebsgeheimnisse ginge ... zusätzliche Infos anfordern.
Natürlich (wieder) gegen eine kleine Gebühr. Natürlich.
Wer spätestens jetzt nicht aussteigt, wird garantiert immer mehr Geld los und gibt zuletzt entnervt auf. Denn die Vermittlung von Arbeit war nie das Anliegen dieser unseriösen Anbieter. Es geht die ganze Zeit nur darum, interessierten Leuten kleine Beträge aus der Tasche zu ziehen, deren Rückforderung sich nicht lohnt, denn das würde ja noch mehr Geld kosten. Also, Schwamm drüber. Lehrgeld halt.
Dass diese kleinen Beträge sich in den Taschen der Anbieter gewaltig aufsummieren, muss nicht extra erwähnt werden ...
Wird ausnahmsweise doch die „Schutzgebühr“ für das Erst – Info –Paket erstattet, werden auch noch irgendwelche Portokosten einbehalten. So verläuft das Ganze schließlich im Sande.
Darum Hände weg von Anzeigen, in denen solche Arbeit, Jobs und Zusatzverdienste offeriert werden. Eine seriöse Firma nennt ihren Namen, ihren Firmensitz, eine Telefonnummer und sagt klipp und klar, was sie sucht und was sie anbietet. Und sie verlangt keine Schutzgebühren für Auskünfte.
Alles andere ist Firlefanz.
In diesem Sinne Ihr
Lothar Grüning
Arbeitsuchende werden abgezockt - Nachtrag
Leider muss dieses Thema abermals aufgegriffen werden. Das, was Arbeitsuchenden gelegentlich zugemutet wird, spottet jeder Beschreibung. Besonders übel sind manchmal jene dran, die Arbeitslosengeld beziehen und deshalb bei allen Unternehmen vorstellig werden müssen, die ihnen das zuständige Jobcenter nennt. Genau darum geht es: Unseriöse Unternehmen nutzen die Mithilfe der ahnungslosen Jobcenter aus, indem sie dort Arbeitsplätze melden, dabei aber gänzlich andere Ziele verfolgen als die Einstellung neuer Mitarbeiter in sozialversicherungspflichtige Angestelltenverhältnisse.
Eine arbeitslose Frau erhielt eine Stellenanzeige zugesandt, deren „Stellenbeschreibung“ sich allen Ernstes so las:“Angenehmes Wohnen im Hause wird ermöglicht. Frau mit Kind angenehm. Bitte Foto.“ Wer hat hier wen gesucht ? Ein seriöser Arbeitgeber eine qualifizierte Arbeitnehmerin ? Wohl kaum ...
In anderen Fällen wurden Mitarbeiter gesucht, die vom betreffenden Unternehmen sofort in den offerierten Jobs hätten eingesetzt werden können. Nichts da: Das Unternehmen verlangte zuvor deren Teilnahme an kostenpflichtigen Weiterbildungsseminaren, die (natürlich) der Arbeitgeber selbst durchzuführen gedachte. Und (natürlich) hätten die neuen Angestellten diese Seminare vor ihrer Einstellung annehmen und bezahlen müssen.
Auch die Art und Weise, in der Unternehmen mit den Unterlagen von Bewerbern umgehen, gibt immer wieder Anlass zur Vorsicht. Selbst bekannte Unternehmen geraten hier in die Kritik. So bewarb sich ein Mitdreißiger bei einem Automobilunternehmen, das jeder kennt, auf einen qualifizierten Job. Leider kam es zur Absage. Das an sich wäre nichts Ungewöhnliches. Zur Verwunderung des Bewerbers erhielt er diese Absage aber nicht von dem beworbenen Unternehmen, sondern von einem ihm völlig unbekannten privaten Personaldienstleister, mit dem er zuvor keinerlei Kontakt gehabt hatte. Das Unternehmen versuchte sich damit heraus zu reden, dass seine Bewerbungsunterlagen gleichwohl im internen Bereich verblieben seien, schließlich arbeite man mit dem Personaldienstleister ständig zusammen. Der Fall beschäftigt mittlerweile ein Arbeitsgericht und wir dürfen auf den Ausgang des Verfahrens gespannt sein.
Noch einmal:
Ein Unternehmen, das Arbeitskräfte sucht und deren Einstellung von Vorleistungen irgendwelcher Art abhängig macht, gleichzeitig aber Stellenbeschreibungen und Arbeitsverträge außen vor läßt, ist unseriös und als solches zu behandeln. Finger weg von Stellenanzeigen also, in denen nicht sofort klipp und klar gesagt wird, wer man ist und was man sucht.
Alles andere bleibt Firlefanz.
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