Die Auswahl des Bewerbungsfotos ist keine Wissenschaft wie mancher Bewerbungsratgeber Sie glauben machen will. Es genügt, wenn Sie ein paar Regeln beherzigen:
Die Diskussion um Farb- oder Schwarzweißfoto ist längst ausgestanden. Da Sie die Natur mit Farben schmückt, ist auch Ihr Foto farbig. Ein Schwarzweißbild ist immer abstrakt. Ihr Interviewer im Bewerbungsgespräch möchte sich aber jetzt schon eine möglichst genaue Vorstellung von Ihnen verschaffen, und ein Schwarzweißfoto zeigt nun mal nicht genau Ihre Augen- und Haarfarbe. Sie können sich durch dessen Verwendung ungewollt dem Verdacht aussetzen, etwas an Ihrer Person kaschieren zu wollen. Das hat nichts mit irgendeinem Sexismus zu tun; wir haben es einfach mit einem unvermeidlichen psychologischen Mechanismus zu tun.
Vermeiden Sie daher deutliche Unterschiede zwischen dem Anblick Ihrer realen Person im Bewerbungsinterview und dem zuvor eingeschickten Bewerbungsfoto. Der Interviewer hat bei der Lektüre Ihrer Unterlagen bestimmte Eindrücke gesammelt, auf deren Grundlage er sich ein erstes Bild von Ihrer Person macht. Kollidiert dieser Eindruck deutlich mit Ihrer realen Erscheinung, kann er unsicher, enttäuscht und abweisend reagieren. Für die Bewerbungspraxis bedeutet das: Wenn Sie auf Ihrem Foto im Business-Look zu sehen sind, müssen Sie zum Interview ebenfalls so angezogen sein. Was freilich nicht bedeutet, dass Sie exakt dasselbe Jackett wie auf dem Foto zu tragen haben. Kommen Sie per Foto overdressed daher und anschließend underdressed, werden Sie den Job wahrscheinlich nicht bekommen... Tragen Sie in jedem Fall die gleiche Haar- und Barttracht wie auf dem Foto. Besonders ein abrasierter oder nachträglich gewachsener Bart kann Ihr Gesicht fast vollständig verändern. Und auch das ist kein dummes Vorurteil: Führungskräfte in der Wirtschaft tragen keine Bärte und keine Langhaarfrisuren. Sie sollten sich wirklich danach richten, wenn Sie Karriere machen wollen. Besonders ein Vollbart verdeckt Ihre Physiognomie auf unvorteilhafte Weise. Wenn Ihr Gegenüber bereits beim ersten Zusammentreffen Ihren Gesichtsausdruck nicht richtig zu lesen vermag, sorgt das für (uneingestandenes) Unbehagen.
Selbstredend muss das Foto Ihr richtiges Lebensalter zeigen; es darf also maximal ein Jahr alt sein.
Es genügt, wenn Ihr Foto den Kopf, den Hals, die Schultern und die Brust zeigt. Ganzkörperfotos sind in der Regel unnötig; es sei denn, Sie bewerben sich als Model, Schauspieler etc..
Die Größe Ihres Fotos sollte 3,5 x 5,0 Zentimeter nicht unterschreiten. Besonders, wenn Sie Ihr Foto einscannen und auf dem Lebenslauf placieren, können Sie den zur Verfügung stehenden Raum individuell ausnutzen. Wählen Sie jedoch kein zu großes Format, dies kann aufdringlich wirken.
Sparen Sie aber nicht bei der Aufnahme; überlassen Sie diese einem professionellen Porträtfotografen. Nur er verfügt über das notwendige Equipment, um entsprechende Fotos abzuliefern. Noch ein Hinweis: Ob Sie auf Ihrem Foto dem Leser die linke oder rechte Schulter zuwenden, ist wirklich ganz egal, machen Sie auch aus diesem Punkt keine Wissenschaft.
In Bewerbungsratgebern ist immer wieder davon die Rede, dass ein Foto nur einmal verwendet werden dürfe. Auch müsse der Name hinten draufstehen, weil Personaler dazu neigen, Fotos abzureißen und auf diesen Tatbestand hin zu kontrollieren. Das ist völliger Quatsch. Ich kann Ihnen versichern, dass kein seriöser Personalberater für Spielchen dieser Art auch nur eine Sekunde Zeit hat. Und niemand wird Ihnen den Kopf abreißen, wenn Sie ein bereits gebrauchtes Foto verwenden, sofern es keine überdeutlichen Abnutzungsspuren trägt. Sich bewerben, kostet viel Geld und es gibt mittlerweile viele Bewerber, die genau das nicht im Übermaße haben ... Im Übrigen sind Gedankengänge dieser Art ohnehin überflüssig, wenn Sie Ihr Foto einscannen und für jede Bewerbung neu ausdrucken.
Die kleine Mühe, Ihr Foto zum Schluss kantenparallel auf Ihren Lebenslauf oder das Deckblatt zu kleben, wird Ihnen nicht zuviel sein. Und das war es bereits.