Matthias Dost (44) studierte Sportwissenschaft an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig. Anschließend arbeitete er als Trainer im Nachwuchsleistungssport und später als Assistent und Lehrer im Hochschuldienst an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg. Lange Zeit war er als leitender Personnalentwickler bei der AOK Halle zuständig für Personalauswahl und Assessmentcenter. Seit sechs Jahren führt er erfolgreich den Onlineshop Kontaktlinsen-Direktverand.de, eine der ersten Adressen beim Vertrieb von Kontaktlinsen und Pflegemittel.
Was war Ihre persönliche Philosophie bei der Auswahl der Bewerber?
Transparenz ist bei der Auswahl von entscheidender Bedeutung. Jede Seite will schließlich so umfassend wie möglich und so schnell wie möglich in Erfahrung bringen, ob der Job/der Bewerber das Richtige bzw. der Richtige ist. Das bedeutet, dass auch und insbesondere die ausschreibende Firma genau definiert, was bzw. wen sie will. Man sollte sich deshalb unbedingt die Mühe machen, ein Anforderungsprofil zu erstellen.
Interessanter Weise machen sich die wenigsten Unternehmen Gedanken darüber und wundern sich über Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Bewerbern. Andere merken zu spät, dass der neue Mitarbeiter eben doch nicht der richtige ist. Das ist für beide Seiten stressig.
Wichtig ist deshalb, dass ein Unternehmen eine eigene Philosophie bzw. eine möglichst klare Ziele-Definition mit strategischer Ausrichtung hat. Es ist dadurch leichter festzustellen, mit welchen Mitarbeitern diese Ziele erreicht werden können bzw. welche Potentiale vorhanden sein sollten.
Ich bin mit dieser Methode gut gefahren und habe sozusagen bei meinem Mitarbeitern "Volltreffer" gelandet.
Wie war bei Ihnen das Verhältnis zwischen Bewerbungen und offenen Stellen?
Das Verhältnis bei großen Unternehmen wie auch bei kleineren verändert sich seit Jahren zu ungunsten der Bewerber. Vor allem kleinere Firmen sind mit der Fülle an Bewerbungen aus
Kapazitätsgründen, aber auch aus Gründen der mangelnden fachlichen Routine überfordert. Deshalb kommen auch in zunehmenden Maße die privaten Jobvermittler ins Geschäft. Zuletzt hatte ich für meine Firma 200 Bewerbungen für eine Stelle.
Wie müssen Bewerbungsunterlagen aussehen?
Sie sollten die wesentlichen persönlichen Daten der Bewerber beeinhalten, keine Romane. Beim Lebenslauf reicht eine Aufzählung. Auch der Bewerbungstext sollte eine DIN A4-Seite möglichst nicht überschreiten. Allerdings sollte schon klar daraus hervor gehen, warum sich der Bewerber gerade auf DIESE Stelle bei DIESER Firma bewirbt. Das interessiert die Firmen natürlich sehr. Es reicht nicht zu schreiben, dass der Arbeitsmarkt ja so eng ist und man halt einen Broterwerb sucht. Diese Motivation ist zwar verständlich, aber nicht sehr förderlich in einer Bewerbung.
Welchen Stellenwert hat dabei die Form?
Die Form muss ansprechend sein. Es gibt da relativ klare Hinweise und Regeln, wie sie unter anderem im Beamte4u Bewerbungsratgeber publiziert werden. Man sollte bei der Bewerbung auf jeden Fall größte Sorgfalt walten lassen und auch mal eine Vertrauensperson drauf schauen lassen. Auch ein kleiner Druck- oder Rechtschreibfehler wirkt einfach schlampig und hat fast immer zur Folge, dass einem anderen Bewerber der Vorzug gegeben wird. Mit einer ordentlichen Bewerbungsmappe ist man immer im Vorteil.
Welchen Stellenwert hat der Inhalt?
Der Inhalt muss für den Leser bzw. potentiellen Arbeitgeber schlüssig und überzeugend sein. Das kann es aber nur, wenn der Bewerber auch die Interessen des Arbeitgebers kennt. Man sollte sich also schon zuvor mit den Daten der Firma beschäftigt haben. Es macht immer einen guten Eindruck, wenn der Bewerber bereits bei seiner Bewerbung in der Lage ist, einen Bezug zu den Aufgaben in dem neuen Betrieb herzustellen.
Wie wichtig sind gute Schulnoten bzw. ein guter Studienabschluss?
Schulnoten und Abschlüsse sind immer die Basisdaten für die weitere Beschäftigung mit dem Kandidaten. Das wird auch in absehbarer Zeit so bleiben. Das heißt, dass sie zumeist die erste Stufe der Vorsortierung der Bewerbungen darstellen.
Was halten Sie von einer Initiativbewerbung?
Das kann niemals verkehrt sein. Es ist ganz klar ein Nachweis eigener Initiative. Außerdem besteht die Chance, dass auch ein Unternehmen was nicht sofort einstellen will, sich trotzdem mit dem Bewerber intensiver auseinandersetzt. So hat ein Einzelbewerber möglicherweise bessere Karten.
Wie sieht der optimale Kandidat aus?
Optimal ist sicher für beide Seiten - Arbeitnehmer wie Arbeitgeber - , wenn die sog. "Passung" stimmt. Also wenn die fachlichen Voraussetzungen vorhanden sind, Interesse besteht und auch sofort die "Chemie" stimmt. Das ist dann wie ein Fünfer im Lotto....
Wie wichtig sind Soft Skills wie Teamfähigkeit oder Sozialkompetenz?
Das hängt von der Aufgabe bzw. von den konkreten Stellenanforderungen ab. Es gibt durchaus Stellen, da wird der absolute Einzelkämpfer gebraucht. In der Tendenz nimmt aber bei den meisten Unternehmen die sog. Teamarbeit zu. Folglich müssen in der Regel auch die entsprechenden Potentiale vorhanden sein, die heute unter dem Begriff " Sozialkompetenz" zusammengefasst werden.
Wie entscheiden Sie, wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird und wer nicht?
Das ist ganz unterschiedlich und hat auch etwas mit der jeweiligen Unternehmenskultur zu tun.
Je nach Bewerberzahl und natürlich auch entsprechend der Ebene, für welche diese Stelle ausgeschrieben wurde, wird in der Regel eine Vorauswahl getroffen. Das übernimmt naturgemäß die Personalabteilung, soweit vorhanden. Wenn dann mehrere Bewerber mit offensichtlich vergleichbaren Voraussetzungen da sind, sollten alle Personen beteiligt werden, die auch in der Folge der Einstellung mit dem neuen Mitarbeiter zu tun haben bzw. für diesen verantwortlich sind.
In meiner Firma rede ich mit allen Mitarbeitern darüber und treffe die Vorauswahl. Wir entscheiden dann gemeinsam welcher Bewerber es dann sein soll. Man muss dazu wissen, dass unser Unternehmen zwar einen großen Aktionsradius hat, aber aufgrund unsere modernen Kommunikations-Technik nur wenige Mitarbeiter notwenig sind um viele tausend Kunden zu betreuen. Das bedeutet, dass sich alle verstehen müssen und das in jeder Hinsicht.
In welcher Weise werden eingehende Bewerbungen bearbeitet?
Da gibt es keine feste Regeln und es wird deshalb sicher sehr unterschiedlich gehandhabt. Sinnvoll ist, wenn man anhand des schon erwähnten Anforderungsprofils eine Checkliste macht und dann die Vorauswahl trifft. Man kann sich auch an das Arbeitsamt wenden. Die Mitarbeiter dort sind nach meiner Erfahrung durchaus bemüht zu helfen und geeignete Bewerber anzusprechen. Aber auch private Vermittler reagieren schnell auf entsprechende Anfragen von Firmen. Das hat den Vorteil, dass der Anteil der Bewerbungen die überhaupt nicht in Frage kommen deutlich sinkt. Man kommt schneller zum Ziel.
Auf was muss man im Vorstellungsgespräch achten?
Grundregel ist sicher, dass jede Seite klar sagt was sie erwartet. "Mauern", vor allem von Seiten des Bewerbers ist "tödlich". Unbedingt so geben, wie man tatsächlich ist, nicht "künsteln". Offenheit und Ehrlichkeit kommen immer gut an.
Mit welchen Tricks arbeiten Personalentscheider, um mehr von den Kandidaten zu erfahren?
Tricks gibt es nicht, wohl aber ein Reihe von Techniken, wie man das Gespräch angenehm und informativ gestalten kann. Es gibt auch Fragen, die sind absolut tabu und gehören nicht in ein Vorstellungsgespräch. Der Vertreter der Firma muss immer wissen, dass er durch seine Aussagen und Fragen auch ein Zeugnis für seine Firma abgibt.
Was raten Sie Bewerbern, die eine Absage erhalten haben?
Nochmals die Bewerbung genau durchsehen, nach Möglichkeit mit jemanden der sie noch nicht gesehen hat. Durchaus auch noch einmal in der ablehnenden Firma anrufen und ganz offen nachfragen, warum die Ablehnung erfolgte.
Was sind Ihre persönlichen 5 Tipps für die optimale Bewerbung!
 | Sorgfalt,
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 | Konkretheit,
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 | Informiertheit,
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 | Interesse
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 | und ein für den Leser zumutbarer Seitenumfang der Bewerbung. |