Diese Art der Kontaktaufnahme spielt eine untergeordnete Rolle im Rekrutierungsprozess der Unternehmen. Personalberater dagegen verwenden das telefonische Bewerberinterview bei der Auswahl von Führungspersonal als Selektionsinstrument. Darum läuft es strukturiert ab. Das geht wie folgt:
Zuerst stellt sich der Anrufer vor und erkundigt sich danach, ob er mit dem Bewerber persönlich spricht. Falls ja, fragt er danach, ob der Bewerber zehn bis fünfzehn Minuten Zeit aufwenden kann. Steht der Bewerber gerade unter Zeitdruck, sollte er das ruhig sagen. Da der Personaler solche Verzögerungen einkalkuliert, wird in solchen Fällen ein neuer Termin für ein ungestörtes Gespräch vereinbart. Ansonsten geht das Gespräch weiter. Der Anrufer wird kurz die Vakanz in ihren wesentlichen Punkten umreißen. Hier sollte der Bewerber noch nicht ständig mit Fragen unterbrechen, sondern erstmal abwarten. Aus seiner Sicht Grundsätzliches sollte allerdings in den ersten fünf Minuten geklärt werden, um eventuell das Telefonat abzukürzen, weil die Vakanz für beide Seiten nicht länger interessant ist. Der Anrufer wird im weiteren Gesprächsverlauf nicht den ihm bereits vorliegenden Lebenslauf komplett abfragen. Das wäre überflüssig und bloß zeitraubend. Viel wichtiger sind folgende Fragen:
• Ab wann ist der Bewerber verfügbar?
• Wie sind seine Kündigungsfristen? Droht ihm eventuell Arbeitslosigkeit?
• Ist der Bewerber mobil, also umzugsbereit?
• Welche Fachkompetenzen weist er auf?
• Welche Aufgaben nimmt er gegenwärtig erfolgreich wahr?
• Welche Problem- und Produkterfahrungen hat er bislang sammeln können?
• Welche Führungsspanne hat er?
• Was weiß der Bewerber bereits über das beworbene Unternehmen?
• Was ist seine Bewerbungsmotivation?
• Welche beruflichen Ziele verfolgt er?
Die Antworten des Bewerbers auf diese Fragen vermitteln dem Anrufer wichtige Informationen. Dabei kommt es dem professionell arbeitenden Personalberater keineswegs darauf an, den Kandidaten auszuhorchen und durch hinterlistige Fragen zu Fall zu bringen. All das ist Blödsinn, der in diversen Bewerbungsratgebern immer wieder verbreitet wird. Für so etwas ist überhaupt keine Zeit im Rekrutierungsprozess. Denn dessen Ziel ist es, den am besten geeigneten Bewerber zu finden. Damit dieses Ziel erreicht wird, muss der Personalberater nicht nur objektive Daten wie Lebensalter, Berufausbildung und bisherigen Jobs recherchieren, sondern auch persönliche Eigenheiten zur Kenntnis nehmen. Er wird also auch auf die Kontaktfähigkeit des Angerufenen achten, seine Sprachkompetenzen abschätzen und beurteilen, ob der Bewerber am Telefon insgesamt sympathisch wirkt. Aus diesen Eindrücken bildet er sich sein Urteil darüber, ob der Kandidat für die Vakanz qualifiziert ist.
Sie als Bewerber können Ihre Erfolgsaussichten übrigens ziemlich gut abschätzen: Lädt der Anrufer Sie am Ende des Telefonats zu einem Interview ein, ist er an Ihnen interessiert. Bedankt er sich lediglich ohne eine Einladung auszusprechen, wird es sehr wahrscheinlich zu einer Absage kommen.