Sprichworte wie
„Ich hatte einen Kloß im Hals“
„Ich mußte um Worte ringen“
„Da fehlten mir die Worte“
„Der Hals war mir wie zugeschnürt“
zeigen auf plakative Weise, um was es geht: Um die Beherrschung der eigenen Stimme, überhaupt und besonders in wichtigen Situationen wie dem Bewerbungsinterview.
Wie aussagekräftig die Stimme eines Menschen ist, zeigt auch die Kriminalistik. Anhand eines aufgezeichneten Telefonats oder direkten Gesprächs, können Spezialisten das Geschlecht, das Alter, die Nationalität bzw. den sozio-kulturellen Hintergrund, die Bildung und die Gemütsverfassung eines Menschen treffsicher bestimmen.
Aber man muss kein Kriminalist sein, um zu wissen, dass die Stimme des Gesprächspartners im Alltag aufschlussreich ist und uns einen genauen Eindruck von seiner inneren Verfassung vermittelt. Das betrifft sowohl Partnerschaft und Familie als auch den Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz. Ob einer gut oder schlecht drauf ist, merken wir nicht zuletzt am Tonfall seiner Stimme.
Nun gibt es aber berufliche Situationen, deren Ausgang entscheidend davon abhängt, wie wir verbal „rüberkommen“. Dazu zählen Vorträge vor der Projektgruppe oder in Seminaren, Kunden- und Beratungsgespräche sowie Bewerbungsinterviews. Hier müssen Stimme, Körpersprache und Redebeitrag „stimmig“ und aus einem Guss sein.
Was hier abläuft, wird von der Psychologie als „Eindrucksmanagement“ beschrieben. Dazu tritt die „Sprachkompetenz“, also die Fähigkeit, sich nicht bloß inhaltsleer mitzuteilen, sondern Worte, Sätze und ganze Redebeiträge ausdrucksvoll, überzeugend und anregend zu formulieren.
Wenn auch Sie zu jenen Zeitgenossen zählen, die damit regelmäßig oder öfter Schwierigkeiten haben, sollten Sie das Problem angehen, notfalls unter Einschaltung eines HNO-Arztes, der den medizinischen Bereich abklärt, oder eines Therapeuten. Besonders dann, wenn Sie von berufs wegen viel sprechen müssen. Im Zeitalter der Dienstleistungsgesellschaft trifft das für immer mehr Menschen zu.
Aber Sie können bereits im Vorfeld etwas für sich tun.
 | Achten Sie darauf, ob sich bei Ihnen bei Redebeginn Kurzatmigkeit einstellt, also ein Gefühl von Enge und Anspannung im Bauch- oder Brustbereich. Falls ja, pressen Sie jetzt nicht die Worte heraus, aus Angst, Ihr Gesprächspartner könne Ihre Verkrampfung bemerken. Sondern hören Sie auf zu sprechen und atmen Sie mehrfach konzentriert durch. Falls Sie sitzen, richten Sie Ihren Oberkörper auf, um den Brustkorb freizubekommen. Atmung und Sprechweise hängen nun einmal voneinander ab. Trinken Sie zwischendurch einen Schluck, aber bitte langsam und nicht hastig. Jeder professionelle Redner hat ein Glas Wasser neben sich stehen. Auch in Talk-Shows oder bei Politikerreden können Sie das beobachten. |
 | Wenn Sie im Alltag dazu neigen, Pausen zu vergessen und immer nur zu arbeiten, wird sich das unweigerlich auf Ihre Sprechweise übertragen. Sie beginnen schnell, hektisch und damit unverständlich zu reden. Lösen Sie sich von diesem Verhalten. Machen Sie Erholungspausen. |
 | Wenn Sie in einem Bewerbungsgespräch sehr aufgeregt sind und diese nicht unter Kontrolle bekommen, sollten Sie zu Ihrem Gesprächspartner ruhig sagen, dass Sie unter Anspannung stehen. Ein professionell arbeitender Personalchef wird dafür Verständnis aufbringen. Und allein deswegen müssen Sie nicht um den Ausgang des Gespräches bangen. Dies sagt noch lange nichts über Ihre Sachkompetenzen aus. |
 | In einem Kundengespräch können Sie natürlich nicht so reagieren. Um hier erst gar keine Sprechangst aufkommen zu lassen, wenden Sie ein sehr einfaches Gegenmittel an: Seien Sie topinformiert und gehen Sie bis ins Detail vorbereitet ins Gespräch. Wenn Sie von Ihrer eigenen Kompetenz überzeugt sind, färbt dies sofort auf Ihre Stimme und damit auf den Gesprächspartner ab. |
 | Wenn Ihre Kollegen zu Ihnen sagen, dass Ihre Stimme auffällig monoton ist und das ständig, könnte dies daran liegen, dass auch Ihr Leben einförmig und ohne Freude und Abwechslung verläuft. Bitte überprüfen Sie diesen Zusammenhang und unternehmen Sie notfalls mit externer Hilfe etwas. |
 | Halten sich Ihre Gesprächspartner die Ohren zu, weil Sie bei jeder Gelegenheit unangenehm laut sprechen, könnte die Ursache in einer ständigen Anspannung zu suchen sein. Auch hier sollten Sie für Abhilfe sorgen. |
Im übrigen gibt es Seminare und Kurse in den Volkshochschulen, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Reden geschult werden. Dies ist ein guter Einstieg, um Ängste zu verlieren.