Softwarehersteller haben sich auch dieses Problems angenommen und bieten Programme zur Erstellung von qualifizierten Arbeitszeugnissen an. Dabei versuchen sie einen Trend auszunutzen, der sich mittlerweile in der Wirtschaft verstärkt hat, nämlich die Selbstausstellung von Arbeitszeugnissen. Der Arbeitnehmer schreibt sich sein Zeugnis selbst und legt es dem Arbeitgeber zur Unterschrift vor. Die Hersteller der Zeugnissoftware versprechen ihren Kunden, dass sie mit Hilfe dieser Programme praktisch in Minutenschnelle perfekte Zeugnisse verfassen können.
Ein genauer Blick auf diese Programme – soweit sie vorlagen - fördert ein anderes Ergebnis zutage. Der Nutzer muss Daten zur eigenen Person, zur Firma und zu Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses in die entsprechenden Textfelder eingeben. Außerdem besteht die Möglichkeit, zu bestimmten persönlichen Eigenschaften wie Belastbarkeit, Arbeitsweise, Führungsfähigkeit usw. anhand einer Notenskala von Eins bis Sechs (oder Fünf) vorformulierte Sätze in das Zeugnis einzufügen. Insgesamt wirken diese aber schemahaft und wenig individuell. Ein wesentlicher Teil des Arbeitszeugnisses muss komplett vom Zeugnissschreiber selbst erstellt werden. Es handelt sich um den Abschnitt über die Position im Betrieb und den Aufgabenkatalog. Man mag einwenden, dass auf Grund der Vielzahl von Branchen, denkbaren Jobs und betrieblichen Aufgabenbereichen, eine Software einen solchen Umfang unmöglich abdecken könne. Das dürfte mit Sicherheit zutreffen. Nur dann sollte den Nutzern nicht suggeriert werden, mit Hilfe dieser Programme könnten rechtssichere, aussagekräftige und individuelle Endzeugnisse erstellt werden. Darum gilt weiterhin: Ohne vertiefte Kenntnisse der Zeugnissprache wird ein qualifiziertes Arbeitszeugnis garantiert nicht gelingen. Worauf es dabei ankommt, kann der Interessent im Insidepaper „Das qualifizierte Arbeitszeugnis – Leitfaden für Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ lesen.