Es ist eigentlich erstaunlich, dass Bewerber selbst einfache Benimmregeln schlichtweg ignorieren. In meiner Beratertätigkeit stoße ich immer wieder auf die gleichen Fehler, die ich hier einmal in einer Liste zusammengefasst habe.
Seien Sie zum Bewerbungsgespräch bitte pünktlich. Sagen Sie nicht, das sei doch selbstverständlich. Ist es eben nicht. Ich habe bereits Fälle erlebt, in denen der betreffende Kandidat es nicht einmal für nötig befand, eine Erklärung geschweige denn eine Entschuldigung abzugeben.
Sagen Sie bei der Begrüßung Ihres Gesprächspartners nicht „Hallo!“ oder „Hi!“. Solche plumpen Vertraulichkeiten sind völlig fehl am Platz.
Reden Sie Ihren Gesprächspartner bei der Begrüßung und auch im Interview mit Nachnamen an. Wenn Ihr Gegenüber einen akademischen Titel hat, also promoviert hat und damit „Doktor“ ist, sprechen Sie ihn wenigstens am Anfang mit „Herr Doktor Müller“ an. Ältere Personaler können da sehr empfindlich reagieren, besonders dann, wenn Sie der Jüngere sind. Prüfen Sie also vorher, ob diese Anrede gewünscht wird.
Halten Sie von Anfang an Blickkontakt. Wenn Ihnen mehrere Personen gegenüber sitzen, lassen Sie Ihren Blick von einem zum anderen wandern. Sollten Sie hier aus Nachlässigkeit Ihren künftigen Abteilungsleiter ignorieren, weil Sie der hübschen Personalsachbearbeiterin schmachtend in die Augen sehen, geht das wahrscheinlich nicht gut für Sie aus.
Achten Sie auf Ihre Körperhaltung. Bewerber neigen dazu, sich breitbeinig im Stuhl zu flegeln, Bewerberinnen verdrehen den ganzen Körper beim Sitzen zu einem Zopf. Verschränken Sie auch nicht Ihre Arme vor der Brust. Suchen Sie eine Körperhaltung, die Sie längere Zeit entspannt durchhalten können, ohne zu verkrampfen und ohne dabei lässig zu wirken.
Sprechen Sie in ganzen Sätzen! Sprechen Sie deutsch! Das hat nichts mit irgendeiner Deutschtümelei zu tun, aber Ihr Gegenüber wird sich auch für Ihre Sprachkompetenz interessieren, besonders dann, wenn Sie in einem Berufsfeld mit Kundenkontakt tätig sein wollen. Überflüssige Amerikanismen, Begriffe aus irgendeiner Szenesprache, jede Art flapsiger Bemerkungen wird man Ihnen übel nehmen. Besonders junge Bewerber und Jobstarter weisen hier beklagenswerte Defizite auf.
Beantworten Sie geschlossene Fragen nicht bloß mit „Ja“ oder „Nein“. Sondern sagen Sie: „Ja, weil ..... da.....“. Nennen Sie konkrete Beispiele aus Ihrem Berufsleben.
Nun noch zu dem bekannten Problem „Fangfragen im Einstellungsgespräch“. In der Literatur werden immer wieder die gleichen Fangfragen aufgelistet und die „richtigen“ Antworten sofort mitgeliefert. Da solche Bewerbungsratgeber aber von Personalverantwortlichen und Kandidaten gelesen werden, also praktisch jeder die Fragen und die Antworten kennt, mutiert das Ganze zu einem im Grunde albernen Katze-und-Maus-Spiel. Zwei dieser „typischen Fangfragen“ lauten: Was für Stärken haben Sie?
Die „richtigen Antworten“ darauf sollen dann lauten: “Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Genauigkeit“ oder der Hinweis auf ähnliche Attribute. Unmittelbar danach sieht der Kandidat sich dann mit der perfiden Frage: “Und welche Schwächen haben Sie?“ konfrontiert. Hier soll dann diese Antwort angebracht sein: “Also, richtige Schwächen habe ich eigentlich nicht, aber ich bin manchmal etwas zu ehrgeizig!“
BINGO!!! Sie haben den Job!
Verehrte Leserschaft, über solche Tipps kann ich als Personalberater nur schmunzeln. Ganz im Ernst: In einem professionell strukturierten Interview werden einem Kandidaten nur solche Fragen vorgelegt, die er beantworten kann, ohne dabei in Verlegenheit zu geraten. Die wahren Schwächen wird doch kein Bewerber auf eine ausdrückliche Frage hin verraten, ja, vielleicht kennt er sie nicht einmal selbst. Das kann bloß bedeuten, dass der Personalverantwortliche die Schwächen seines gegenüber nur aus der Summe seiner Eindrücke herausfiltern wird.
Sie werden jetzt sicherlich einwenden, dass solche Fragen trotzdem in der Praxis vorkommen. Schließlich hat das jeder schon selbst oder bei Freunden erlebt. Ich will das auch nicht bestreiten. Schließlich sind nicht alle Personalleute Profis. Mein Tipp ist und bleibt in solchen Fällen immer derselbe: Bleiben Sie gelassen und verweisen Sie im Zweifel immer auf Ihre Fach- und Sozialkompetenz, die Sie auszeichnet!
Und für die, die trotzdem unbedingt wissen wollen, wie denn nun diese Frage nach den eigenen Schwächen zu beantworten ist ... hier ist sie: “Wenn ich das Stellenprofil Ihrer Vakanz betrachte und mein Bewerberprofil daran abgleiche, komme ich zu dem Schluss, dass ich keine Schwächen habe!“