Was ziehe ich zum Bewerbungsgespräch an?
Die folgenden Hinweise werden vielen Lesern vielleicht etwas antiquiert erscheinen. Beachten Sie jedoch das der durchschnittliche Personalentscheider jenseits der 40 ist und eher konservativ eingestellt. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber auch hier können Sie mit den nachfolgenden Regeln nichts verkehrt machen.
Grundsätzlich gilt: Werden Sie nicht overdressed und nicht underdressed beim neuen Arbeitgeber vorstellig. Wenn Sie sich um eine Führungsposition oder in einem konservativen Milieu – dazu zählen besonders Banken und Versicherungen - oder überhaupt bei einer renommierten Firma bewerben, ist für Bewerber beiderlei Geschlechts, vor allen Dingen für Jobstarter und Ausbildungsplatzbewerber ein konservativ – bürgerlicher Stil angesagt. Ich rate insbesondere künftigen Azubis, diese Hinweise zu beachten. Denn Unternehmen führen berechtigt Klage darüber, dass junge Leute, oft nicht wissen, wie sie sich zu verkaufen haben. Das heißt konkret, sie besitzen keinerlei Vorstellung davon, was sie anziehen sollen, welche Höflichkeitsregeln zu beachten sind und welchen Inhalt sie dem Bewerbungsgespräch ihrerseits geben müssen. Kommen aus der Sicht des Betriebes dann noch gravierende muttersprachliche Mängel in Wort und Schrift und in den mathematisch – naturwissenschaftlichen Fächern hinzu, war die Vorstellung wieder einmal vergeblich. Da hilft dann auch keine Ausbildungsplatzabgabe! Gerade Schulabgänger bilden sich häufig ein, dass die Schonzeit, die sie in der Schule genossen haben, im Ausbildungsbetrieb weitergeht. Das ist ein gewaltiger Irrtum. Freilich, Pisa lässt grüßen und in einer Schule, in der nur schmale Mathe- und Deutschkenntnisse vermittelt werden, wird das Wissen um Höflichkeitsregeln schon gar nicht gepflegt. Trotzdem, für die Praxis heißt das: Die männlichen Aspiranten ziehen ein Jackett und eine dazu passende Hose an, vervollkommnen dieses Outfit mit einem darauf farblich abgestimmten Hemd nebst Krawatte. Wer sich um eine Stelle im Produktionsbereich bewirbt, kann sich etwas legerer aber dennoch geschmackvoll anziehen.
Wer als junger Mann nicht gelernt hat, wie man einen Krawattenknoten richtig bindet, fragt seinen Vater oder sonst jemand, der das noch weiß. An den Füßen werden keine abgetragenen Sportschuhe getragen, sondern geputzte Lederschuhe. Auch der Hosengürtel ist nicht abgewetzt. Die Haar- und Barttracht sind ordentlich gestutzt und die Fingernägel sauber. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit und wird darum hier ausdrücklich erwähnt. Vor allen Dingen aber sind alle Lippen-, Nasen-, Zungen-, Augenbrauen- und Ohrenpiercings komplett zu entfernen! Wenn noch möglich, sind die Einstichstellen mit einer Hautcreme abzudecken! Gleiches gilt für sichtbare Tattoos. Ringe, Goldkettchen und protzige Uhren sind völlig fehl am Platze. Überhaupt ist jede Art von Freizeitbekleidung absolut verboten, wenn man sich ernsthaft um einen qualifizierten Job oder einen entsprechenden Ausbildungsplatz bewirbt. Dazu gehören auf jeden Fall auch Base caps. Wer als Bewerber den Fehler macht, so eine Kopfbedeckung auch noch während des Gesprächs aufzubehalten, darf sich über eine Absage nicht wundern. Es gibt sie nämlich immer noch jene Höflichkeitsregel, die besagt, dass Kopfbedeckungen beim Betreten eines Raumes abzunehmen sind. Wer seine Unterlagen in einem Aktenkoffer mitbringt, sollte dort drinnen Ordnung halten. Personaler neigen aus Neugier dazu, auch dort hinein einen Blick zu erhaschen. Weibliche Kandidaten verbessern ihre Einstellungschancen keineswegs durch Miniröcke, nabelfreie T-Shirts, knapp sitzende Jeans und hochhackige Schuhe. Viel besser ist ein farblich dezentes Kostüm im so genannten Business-Stil, einer weißen oder entsprechenden Bluse, an der allenfalls der oberste Knopf geöffnet ist und der Verzicht auf zu viel Schmuck. Kleine Ohrstecker, allenfalls eine unauffällige Halskette, ein Schmuckring und eine Damenuhr sind genehmigt. Mehr nicht. Greller Nagellack und mit billigen Schmuckringen übersäte Finger wirken abstoßend. Die Bewerberin trägt auch im Sommer geschlossene Lederschuhe mit allenfalls leichter Absatzhöhe. Die Frisur ist nicht aufgedonnert und das Make-up sowie das Parfüm unaufdringlich. Zu Piercing und Tattoos ist bereits bei den männlichen Kandidaten alles gesagt. So und nur so funktioniert es.
By the way, noch mal zum Thema Schmuck: Ich habe als Personalrekrutierer immer darauf geschaut, ob ein verheirateter Kandidat bzw. eine verehelichte Kandidatin den Ehering trägt. Falls nein, habe ich nach dem Grund gefragt. Warum? Nun, wer seinem Ehepartner optisch schon nicht die Treue hält, wird seinem Arbeitgeber wohl ähnlich behandeln.
Bewerber sollten Während des Gesprächs diese Verhaltensregeln beachten:
Reden Sie Ihren Gesprächspartner im Interview mit Nachnamen an. Halten Sie Blickkontakt. Achten Sie auf Ihre Körperhaltung. Bewerber neigen dazu, sich breitbeinig im Stuhl zu flegeln, Bewerberinnen verdrehen den ganzen Körper beim Sitzen zu einem Zopf. Sprechen Sie in ganzen Sätzen! Beantworten Sie geschlossene Fragen nicht bloß mit „Ja“ oder „Nein“, sondern sagen Sie: „Ja, weil ..... da.....“. Nennen Sie konkrete Beispiele.