Werden Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, haben Sie Anlass zur Freude. Die Einladung zeigt Ihnen, dass der Betrieb an Ihnen aufgrund Ihrer Bewerbungsunterlagen oder wegen des erfolgreich bestandenen Eignungstests interessiert ist. Ihre Vorbereitungsarbeit hat sich also gelohnt. Ihr Gefühl der Freude sollten Sie unbedingt mit in das Auswahlverfahren hineinnehmen.
Viele Bewerber leiden schon vor dem Gespräch unter nervösen Begleiterscheinungen. Stress - ein natürliches, körperliches Phänomen - macht sich breit. Der Körper reagiert auf bedrohliche Situationen aus seinem Schutzinstinkt heraus zu der Mobilmachung des Organismus. Dabei ist es unbedeutend, ob die Bedrohung real oder eingebildet ist. Kann man dieser Bedrohung nicht durch Flucht oder Kampf entgehen, äußert sich die zurückgehaltene Anspannung als Nervosität.
Gedanken, die vor einem Vorstellungsgespräch häufig Gefühle der Bedrohung auslösen:
 | Ich gehe an einen unbekannten Ort.
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 | Ich habe einen Termin, bin also unter Zeitdruck.
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 | Ich begegne fremden Menschen, die mich begutachten, prüfen und beurteilen wollen.
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 | Diese Leute kennen mich nicht. Vielleicht mögen Sie mich auch gar nicht.
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 | Ich bin nicht der einzige Bewerber. Andere sind vielleicht besser als ich.
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 | Ich stehe fremden Leuten alleine gegenüber.
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 | Ich habe Angst vor der Ablehnung, der Absage.
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 | Meine Erfahrungen bei früheren Bewerbungsgesprächen waren schlecht. |
Wie können Sie nun diesen kritischen Gedanken positiv begegnen? Dazu einige Anregungen, wie Sie diese Situationen aus einem anderen Blickwinkel betrachten können.
Der unbekannte Ort
An diesem Ort lauern keine Gefahren, sondern Überraschungen. Das sollte Sie neugierig machen. Vor dem Gesprächstermin gehen Sie mindestens einmal an den Ort, wo das Vorstellungsgespräch stattfinden wird. Vielleicht gehen Sie sogar in das Gebäude hinein. Angebotene Veranstaltungen oder eine Betriebsführung erleichtern die Kontaktaufnahme.
Unter Zeitdruck
Sie stellen sich einen Zeitplan auf und organisieren die Vorbereitungen genau. Die Unterlagen (Einladungsbrief, Ihre Fragen, Schreibzeug etc.) und die Kleidung sind ein bis zwei Tage vorher gerichtet. Die Anfahrtszeit wird reichlich bemessen, Zeit für innerliche Vorbereitung freigehalten, der Tagesablauf genau durchdacht.
Unter Fremden
Sie überlegen, was die "Fremden" erwarten, brauchen oder befürchten. Sie stellen sich darauf ein. Bewertung? Sie beurteilen doch auch! Sie entscheiden also ebenso, ob Sie zu diesem Betrieb oder dieser Stelle passen, ob Ihnen die Atmosphäre und die Angebote der Firma behagen.
Werde ich gemocht?
Für Erwartungen persönlicher Art gibt es keine Grundlage. Entscheidend ist, dass Ihr Fähigkeitsprofil möglichst gut mit dem Berufsprofil übereinstimmt.
Andere sind besser
Nur Konkurrenz ermöglicht einen geeigneten Vergleich. Die bestmögliche Entscheidung (für beide Seiten) ist gefordert.
Allein gegen alle
Nicht immer werden Einzelgespräche geführt. Vielleicht findet ein Gruppengespräch statt, zu dem mehrere Bewerber eingeladen sind. Dort haben Sie den Vorteil, nicht dauernd im Brennpunkt zu stehen. Nachteilig empfinden Sie möglicherweise direkte Konkurrenz. Falls Sie doch allein sind: Jetzt haben Sie die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Das Gespräch ist eine erste Chance zur Bewährung, denn Sie werden im Beruf noch oft alleinverantwortlich handeln müssen.
Die Angst vor der Absage
Eine Ablehnung gilt lediglich Ihrer Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, niemals Ihrer Person. Ihre menschliche Würde wird nicht im geringsten berührt, wenn man feststellt, dass Ihr Angebot nicht zur Nachfrage passt. Falls Sie ein Angebot ablehnen, wird das betreffende Unternehmen dies sicher auch nicht persönlich nehmen.
Schlechte Erfahrungen
Die bewusste Auswertung von Erfahrungen wird Ihnen helfen, Ihr Handeln zu überdenken:
 | Warum war es eine schlechte Erfahrung?
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 | Was hat mich geärgert?
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 | Wo habe ich falsch gehandelt?
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 | Wer hat mich schlecht behandelt? Warum? Habe ich dies irgendwie herausgefordert?
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 | Welche meiner Reaktionen waren unüberlegt?
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 | Wie hätte ich mich besser verhalten können?
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 | Was kann ich heute anders machen?
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Falls Ihnen beim Gespräch trotzdem die Nervosität im Bauch sitzt, stehen Sie dazu. Die Gesprächsführer sind erfahrene Leute und wissen, dass man in einer solchen Situation nicht völlig locker ist. Unterdrückte Nervosität hingegen entzieht Ihnen Energie für die notwendige Aufmerksamkeit und Konzentration. Wenn Sie Ihre Nervosität ansprechen, kann das den inneren Druck lösen. Vorgetäuschte Lässigkeit wird in aller Regel durchschaut und im ungünstigsten Fall als Überheblichkeit gedeutet.
Wichtig: Mental richtig eingestellt. Dieser Grundsatz bedeutet: Worüber Sie am meisten nachdenken, an was Sie glauben und was Sie sich am lebhaftesten vorstellen, wird sich in Ihrem Leben ereignen. Wir schaffen mit unseren Gedanken und unserer Phantasie die Wirklichkeit, in der wir leben. Geben Sie deshalb Gedanken und Gesprächen über einen möglichen Misserfolg keinen Raum. Versuchen Sie stattdessen, Ihre Stärken und Ihre angestrebten Ziele zu bejahen.
Stellen Sie sich täglich in entspannter Situation einen glänzenden Gesprächsverlauf vor. Sehen Sie in Ihrer Phantasie, wie Sie freundlich und souverän alle Fragen beantworten, die Ihnen Ihr wohlgesonnener Gesprächspartner stellt. Je intensiver die Vorstellung und je echter Ihre Gefühle sind, desto mehr werden Sie Menschen, Situationen und Ereignisse anziehen, die mit Ihrer Erwartung übereinstimmen. Die regelmäßige Wiederholung dieser Übung ist wichtig - mindestens 5 bis 10 Minuten täglich.